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Dalbello Quantum Asolo Factory - Testbericht

Im Folgenden möchte ich meine persönlichen Erfahrungen mit diesem neuen Skitourenschuh teilen.

Kurz vorweg: Die Schuhe habe ich ganz normal und bewusst erworben. Daher verfasse ich diesen Bericht völlig unbeeinflusst. Und warum? - Weil Erfahrungsberichte mir selbst auch schon öfter geholfen haben um mich für oder gegen ein Produkt zu entscheiden. Genau das möchte ich mit meinem Bericht auch für andere "Suchende" erreichen.


Den richtigen Skitourenschuh zu finden ist keine einfache Sache. Augenscheinlich gibt es auf dem Markt eine sehr große Auswahl an Herstellern, Modellen, Farben etc.. Wenn man aber mal ein paar Modelle probiert hat und zudem noch eine bestimmte Vorstellung vom Leistungsspektrum des Schuh´s hat, dann schränk sich die Auswahl der potentiell passenden Schuhe schon deutlich ein.


Passform: Der Schuh wird mit einer 99er Leistenbreite bei Größe 26,5 beschrieben. Ich selbst habe einen mittelbreiten Fuß mit leicht erhöhtem Rist. Meine normale Schuhgröße ist 44,5 und in 28/28,5 passt mir der Quantum gut. Wer 44 hat oder noch enger drin stehen möchte, der/die kann die mitgelieferte Einlegesohle einbauen.

Der hohe Rist ist kein Problem, da hier mit dem Schnürsystem sehr gut angepasst werden kann. Was die Breite angeht ist es grenzwertig aber ich persönlich mag es wenn sich die Skitourenschuhe wie eine zweite Haut anfühlen. Bei anderen Schuhen hatte ich manchmal das Problem, dass der Innenknöchel aufgescheuert wird, beim Dalbello habe ich da noch kein Problem. Nach bislang drei Skitouren mit je 1500+ Hm gabs keine Blasen oder Druckstellen, und das ohne vorheriges Anpassen der Innenschuhe. Das ist Anformen des Innenschuhs ist natürlich auch bei diesem Schuhmodell möglich, falls hier jemand Bedarf hat. Insgesamt fühlt sich der Quantum Asolo Factory sehr bequem an, wenn man mal drin ist. Rauskommen ist ein bisschen aufwendiger als bei anderen Modellen, könnte aber auch an meinem erhöhten Rist liegen... Den Innenschuh kann man verhältnismäßig leicht aus und einbauen trotz der Gamasche.


Performance: Das Gewicht ist beim Top-Modell der Quantum-Serie, dem Quantum Asolo Factory schon beeindruckend. Als ich das Paket erhalten habe, dachte ich beim Anheben nicht an Skitourenschuhe.

Als abfahrtsorientierten Tourenschuh verwende ich den Dynafit Hoji Pro. Dieser ist natürlich um einiges schwerer, dafür aber eine Macht bei der Abfahrt!

Im Vergleich tut man sich insbesondere bei den Spitzkehren schon deutlich leichter mit einem Schuh wie dem Dalbello Quantum. Auch der große Flex ist ein enormer Vorteil beim Gehen und genau das tut man ja die meiste Zeit auf Skitour.

Die Verschlussmechanismen sind etwas gewöhnungsbedürftig und wer es sehr eng mag, der/die muss schon ordentlich an der Dyneema-Schnur anreißen und gleichzeitig die Klemme zudrücken. Das Rädchen zum Anpassen der Schnürung funktioniert sehr gut und hält auch die Spannung. Allerdings ist die Angriffsfläche auch hier sehr klein. Für mich funktionierts aber auch mit dicken Handschuhen gut, man braucht halt auch hier ein bissl Schmalz um den Schuh eng zu bekommen. Die Blockierung des Flex funktioniert einwandfrei, bei Eis im Mechnismus sollte man aufpassen - was aber für fast jeden Schuh gilt!

Um die Vorlage zu erhöhen liefert Dalbello noch ein Pad mit, das man sich an die Außenseite des Innenschuhs kletten kann. Ich habs einmal montiert und seit dem dran gelassen, stört also beim Gehen kein bisschen.


Bei der Abfahrt erreicht der Quantum Asolo Factory natürlich nicht die Steifigkeit wie beispielsweise mein Dynafit Hoji Pro, allerdings kann sich die Performance für einen so leichen Schuh sehen lassen. Da war ich ganz überrascht. Bei der ersten Skitour gings gleich in die Vollen. Bruchharsch und eine 40-45° steile Rinne mussten bewältigt werden. Weiter unten dann alte Lawinenablagerungen. Man muss definitiv vorsichtiger sein, da man kleine Schläge und Unebenheiten nicht so leicht "wegdrücken" kann wie mit einem abfahrtsorientieren Schuh. Insgesamt konnte sich der Schuh bewähren.

Die Performance ist natürlich auch eine Frage des skifahrerischen Könnens. Meiner Ansicht nach ist der Dalbello Quantum Asolo Factory am besten für gute bis sehr gute Skifahrer:innen geeignet, welche sich mit allen möglichen Bedingungen auskennen.

Desweiteren würde ich persönlich bei wechselnden/harten Bedingungen keinen Ski mit diesem Schuh fahren, der in der Mitte breiter als 100mm ist und auch bei der Skilänge würde ich nicht über die Körpergröße rausgehen. Mein "schmalster" Ski ist der K2 Wayback 96 in 177cm Länge. Ich selbst bin 1,80m groß. Die Kombi passt für mich ganz gut!

In weichem Pulverschnee könnte man beim Ski sicher auch breiter und länger fahren, aber diese Bedingungen findet man bekanntlich eher selten von oben bis unten...

Steigeisen passen super auf den Dalbello Quantum (das stört mich beim Dynafit Hoji Pro immer ein bisschen). Das Klettern oder Gehen zum Gipfel sind ein Vergnügen aufgrund von der Bewegungsfreiheit, allerdings habe ich den Eindruck, dass die Schale recht empfindlich auf Felskontakt reagiert. Ich gehe aber auch alles andere als zimperlich mit meinem Material um...


Fazit: Die "Eierlegende Wollmilchsau"gibt es meiner Meinung nach (noch) nicht für alle Skitourenbedingungen und alle Ansprüche. Deshalb habe ich mich auch dazu entschieden zweigleißig zu fahren. Einen schwereren, stabileren Schuh für´s Freeriden, breite + lange Ski und kürzere Skitouren. Und einen leichten Schuh für´s Frühjahr / Skidurchquerungen etc. und schmälere + kürzere Ski. Aber Geschmäcker/ Vorlieben und Können sind ja bekanntlich sehr verschieden also lass ich´s damit jetzt auch gut sein...

Der Dalbello Quantum Asolo Factory hat mich jedenfalls schon nach kurzer Zeit überzeugt! Für den gewünschten Einsatzzweck für mich optimal.

Bei guten Bedingungen absolut super bei der Abfahrt, auf einem steilen zerpflügten Acker sollte man vielleicht etwas zurückhaltender fahren. Für den Aufstieg hatte ich noch keinen besseren!