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Lawinenverschüttetensuche im Detail - 1.Szenario

Aktualisiert: Feb 18

Worum es im ersten Szenario geht, könnt ihr im Detail noch einmal hier nachlesen.


Zwei Tourengeher bei der Abfahrt, einer wird verschüttet...

Lösungsvorschlag:

T2 hält kurz inne und sucht dabei das Lawinenfeld nach Gegenständen von T1 ab. Sicherstellen des Eigenschutzes (Weg zum Lawinenfeld), zügige Fahrt zum gemerkten Verschwindepunkt und Umschalten des LVS-Gerätes auf Suchen. Ab hier zu Fuß weiter. Absuchen des Lawinenfeldes in Mäandern bis zum Erstempfang, Signalsuche, Grobsuche, Feinsuche (laut Standard…). Markieren der Stelle des geringsten Wertes mit geeignetem Gegenstand (Handschuh, Snus...), Rucksack runter und Sonde + Schaufel aufbauen. Handschuh wieder anziehen, Punktortung, Ausgraben (laut Standard…) und Erstversorgung. Dann erst Absetzen des Notrufes!

In einem günstigen Fall kann das Ganze so ablaufen, weiter unten im Beitrag findet ihr mögliche Faktoren, welche die Verschüttetensuche oder die Erstversorgung zusätzlich beeinflussen können.


Kommentar:

Bislang sah die Lehrmeinung beim Betreten des Lawinenfeldes noch so aus, dass man zuerst Sonde und Schaufel aufbaut und dann erst mit der Suche beginnt. Dies hat sich zumindest in Österreich seit dieser Saison (20/21) geändert. Grund dafür ist, die mögliche Behinderung des Suchablaufes durch die lange Sonde und die Schaufel, sowie die mögliche Störung des Empfängers durch das Metall der beiden Gegenstände. Aus persönlicher Erfahrung kann ich außerdem sagen, dass bei dieser Reihenfolge sehr häufig die Mitnahme des Rucksacks vergessen wird, was für die Handlungsfähigkeit bei der späteren Erstversorgung natürlich sehr ungünstig ist. Es lässt sich darüber streiten, wie sich der Umstand psychologisch auswirkt, dass man nach dem Ermitteln des geringsten Wertes bei der Feinsuche erst noch Sonde und Schaufel aufbauen muss, um dann weitermachen zu können. Man ist in dieser Phase schon so nah dran, möchte schnell helfen und gerät durch die Unterbrechnung eventuell noch zusätzlich unter Stress. Ich persönlich denke aber, dass man in der Situation fokussiert genug ist, um auch an der unmittelbaren Stelle der Verschüttung Sonde und Schaufel konzentriert aufbauen zu können. Wer es anders herum macht begeht hier sicher kein Kapitaldelikt, man sollte aber stets wissen was das zur Folge haben kann und muss entsprechend auf Abstand zwischen Sonde/Schaufel und LVS-Gerät achten etc..

An dieser Stelle sei auch an den Abstand des LVS-Gerätes zum eingeschaltenen Smartphone erinnert. Richtwert 50cm. Ich denke es ist besser das Handy auf Skitour grundsätzlich im Flugmodus mitzuführen und nur bei Bedarf umzuschalten. Man kann ja trotzdem Navigieren und Fotos machen und spart dabei sogar noch Akku.

Der Zeitpunkt für den Notruf ist meiner Ansicht nach sonnenklar und kann aus Zeitgründen bei einer einzigen Rettungsperson nur nach dem gesamten Suchablauf und dem Ausschaufeln stattfinden. (Höchstens noch während der Erstversorgung via Lautsprecher).

Das Ausmaß der Verletzungen entscheidet über alles Weitere. Das jemand nach einer Vollverschüttung einfach aufsteht und weiter ins Tal abfährt, ist theoretisch möglich aber äußerst unwahrscheinlich. Schockzustand und weitere mechanische Verletzungen lassen das häufig schon nicht mehr zu. Desweiteren darf man je nach Dauer der Vollverschüttung und entsprechender Schwere der Unterkühlung die Gefahr des Bergetodes auf keinen Fall außer Acht lassen!

Versetzt man sich mal kurz in die Lage von T2, so wird einem recht schnell klar, welch anspruchsvolle Aufgabe man in einem solchen Fall zu erledigen hat. Bei der statistisch betrachteten durchschnittlichen Verschüttungstiefe von 70cm, ist allein das Ausschaufeln innerhalb der ersten 15 Minuten eine fast übermenschliche Leistung.

Dieses Beispiel verdeutlicht außerdem, dass es hier keinen Spielraum für Fehler gibt. Das beinhaltet auch fehlerhafte oder im schlimmsten Fall gar nicht vorhandene Ausrüstungsgegenstände, welche zur Rettung oder Erstversorgung benötigt werden.

Nebst allen standardmäßigen Erste Hilfe- Maßnahmen sind bei einem Lawinenunglück in den Bergen vor allem die Maßnahmen Wärmeerhalt und engmaschige Betreuung durch den/die Ersthelfer:in wichtig.


Weitere mögliche Faktoren, die den Ablauf der Suche und Rettung beeinflussen können:

  • Kein Empfang zum Absetzen des Notrufs

  • Sichtbarer Gegenstand (z.B. Skispitze) an der Oberfäche des Lawinenfeldes

  • Kein Flugwetter


Wer hierzu Fragen und/oder Diskussionsbedarf hat, kann mich gerne kontaktieren. Dieses oder ähnliche Szenarien lassen sich auch in einem Lawinenkurs nachstellen und üben. Bei Interesse, schaut hier vorbei!


Zur Vorbereitung auf den nächsten Beitrag, nun die Beschreibung des 2. Szenarios:


Eine fünfköpfige Skitourengruppe befindet sich im Aufstieg. Kurz vor dem steilen Gipfelhang entscheiden sie sich nach reiflicher Überlegung diesen in Sicherheitsabständen zu begehen (nur eine Person im potentiell gefährlichen Gelände). Es kommt zum Unglück und es löst sich beim Gruppenersten ein Schneebrett. Die Person wird erfasst und vor den Augen der Anderen verschüttet. Die restlichen vier Personen befinden sich nun seitlich des Lawinenfeldes und konnten alles beobachten. Drei davon haben vor Kurzem einen Auffrischungskurs in der VS-Suche belegt, eine Person hat die Ausrüstung dabei, weiß aber nicht damit umzugehen. Das Lawinenfeld ist ca. 60x60m groß.


Wie würdet ihr vorgehen?


Lösungsvorschlag, Kommentar und weitere Einflussmöglichkeiten beschreibe ich im nächsten Blog- Beitrag...


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