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Lawinenverschüttetensuche im Detail - Intro

In den folgenden Beiträgen geht es um das Reindenken in drei mögliche Szenarien im Bereich Lawinenverschüttetensuche. Eine durchaus lohnende Gedankenexkursion für alle, die schon über die grundlegenden Abläufe der Verschüttetensuche Bescheid wissen, aber weiterhin gut vorbereitet sein wollen.

Doch zuerst ein paar einleitende Worte:


Ohne jetzt wieder mit der Moralkeule um die Ecke kommen zu wollen, aber: Jede:r, und zwar wirklich jede:r, die/der sich in potentiellem Lawinengelände bewegt und von sich behaupten möchte, dass sie/er einigermaßen verantwortungsbewusst unterwegs ist, sollte sich in regelmäßigen Abständen mit verschiedenen Sicherheitsthemen befassen!

Hierzu gehört die Lawinenkunde im Allgemeinen, sowie eine gut durchdachte Tourenplanung mit Hilfe des Lageberichtes, aufmerksames Beobachten, risikobewusstes Entscheiden und der absolut sichere Umgang mit der Lawinen- Notfallausrüstung!


Diese beinhaltet in der heutigen Zeit zumindest ein Dreiantennen-LVS-Gerät, eine Lawinenschaufel, eine stabile Sonde, ein Erste Hilfe- Set und einen Biwaksack/eine Rettungsdecke. Selbstredend benötigt man zudem für den Notruf ein Handy, außerdem sind ein warmes (gesüßtes) Getränk und eine Isolationsjacke besonders für einen Notfall kein übertriebener Luxus. Über Airbags und deren Auswirkung auf das Risikobewusstsein lässt sich streiten, dennoch stellen sie meiner Ansicht nach eine sinnvolle Ergänzung zur Notfallausrüstung dar.

Eine Lawine ist ein seltenes Ereignis, aber so selten auch wieder nicht! Wenn man das Skitourengehen mit anderen Aktivitäten vergleicht, dann findet man viele Sportarten, bei denen man sich deutlich wahrscheinlicher verletzten kann. Dennoch kommen jährlich zahlreiche Menschen beim Wintersport in Lawinen ums Leben und das kann man auch nicht schön reden.


Beim Tourengehen und Freeriden steht für mich ganz klar an oberster Stelle, dass man ein schönes Erlebnis hat!

Wir beschäftigen uns naturgemäß weniger gerne mit den Gefahren, aber steigert nicht auch ein sichereres Gefühl unseren Erlebniswert auf Tour? Können wir dadurch die schönen Dinge nicht wesentlich mehr genießen? Davon bin ich überzeugt! (Es sei denn das Ziel ist, sich ein wenig zu fürchten ;-))

Jetzt hat man natürlich unterschiedliche Möglichkeiten sich dieses sichere Gefühl zu beschaffen. Man kann sich intensiv mit der Thematik auseinander setzen, Erfahrungen sammeln und Schlüsse daraus ziehen. Oder ich schließe mich einer Gruppe mit erfahreneren Leuten an, versuche zu lernen und profitiere somit vom Herdenwissen. Oder man gibt die Tourenplanung und das Risikomanagement komplett ab und nimmt sich eine:n professionelle:n Berg- und Skiführer:in.

Was man allerdings in keiner Konstellation abgeben kann und sollte, ist das Beherrschen der Lawinenverschüttetensuche und der restlichen Notfallmaßnahmen! Das ist gleich zu setzen mit der Pflicht zur Ersten Hilfe im alltäglichen Leben!


Verschüttetensuche ist nun aber nicht gleich Verschüttetensuche.

Ein Einsteigerkurs und das Üben der Einfachverschüttung ist Gold wert und sollte in der Vita aller Winterbergsteiger:innen auftauchen. Jedoch verfliegt der Wert recht schnell, wenn man nicht am Ball bleibt und sich nicht immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzt. Hierzu gehört dann irgendwann auch die Mehrfachverschüttung und das Miteinbeziehen aller möglichen Faktoren. Die Gruppenkonstellation mit dem jeweiligen Ausbildungsstand der Teilnehmer:innen ist hier nur ein Beispiel, worüber man im Vorfeld nachdenken sollte.

Glücklicherweise hat hier eine gut durchdachte Standardisierung stattgefunden, welche nur ab und an in Details angepasst wird. Dennoch kann es zu sehr unterschiedlichen Szenarien kommen und es ist meiner Ansicht nach von großem Mehrwert hier in einmal in alle möglichen Richtungen zu denken.

Deshalb möchte ich in drei weiteren Blog-Beiträgen jeweils ein Szenario beschreiben, durchexerzieren und kommentieren. Der Fokus liegt hierbei auf der von mir bevorzugten Reihenfolge der unterschiedlichen Handlungen und evtl. Aufgabenverteilungen sowie auf objektiven und subjektiven Kriterien, die die Suche beeinflussen können.

Die Beiträge richten sich vor allem an Leser:innen denen der grundsätzliche Suchablauf, welchen man in einem anerkannten Grundkurs lernt, bekannt ist.

Sollte jemandem dieses Thema aufgrund von negativen Vorerfahrungen nahe gehen, dann kann ich keine klare Empfehlung zum Weiterlesen geben. Das gilt insbesondere für den Beitrag zum dritten Szenario.


Informationen zu einem Lawinenkurs findet ihr hier.


Beschreibung des ersten Szenarios:


Zwei Tourengeher sind bei der Abfahrt, eine Steilstufe wird einzeln befahren, der erste Skifahrer (T1) löst im schwachen Triebschnee ein Schneebrett aus und wird im Auslaufbereich der Lawine 200m weiter unten total verschüttet. Der Zweite (T2) beobachtet das Geschehen von oben und kann sich den Verschwindepunkt merken. T2 trägt alles bei sich, was er für die Verschüttetensuche und die Erstversorgung brauchen könnte...


Wie würdet ihr vorgehen?

Durch die Auflistung weiterer möglicher Einflussfaktoren am Ende der Szenarioauflösung im nächsten Blog-Beitrag könnt ihr überprüfen, ob ihr jeweils wüsstet was zu tun ist…


CHECK IT OUT! >>> Link zum Weiterlesen