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Skitour Gamsjoch 2452m

Ende April freut man sich so langsam darauf, dass die kalten und kurzen Tage vorbei gehen. In den Tallagen ist es schon häufig schneefrei und man kann warme Temperaturen genießen, beispielsweise beim Sportklettern am Fels.

Im Karwendel herrschen allerdings noch beste Bedingungen für Frühjahrsskitouren! So war es auch am 27.April am Gamsjoch.

Überlicherweise geht man die Gamsjoch Skitour über den Großen Ahornboden und das Gumpenjöchl. Es gibt aber auch noch die Möglichkeit über das Laliderertal zuzusteigen und über den Gumpenalm Hochleger den oberen Teil des Aufstiegs zu erreichen. Für diese Möglichkeit entscheide auch ich mich an diesem Tag. Der ostseitige Aufstieg von den Engalmen apert im Frühjahr sehr schnell aus und so war Ende April diesen Jahres sowieso nur noch der Weg durchs Laliderertal möglich bzw. sinnvoll.


Jetzt aber von Anfang an:

Der Wetterbericht verspricht für den 27.April bestes Wetter bis zum frühen Nachmittag. Etwas Wind ist angekündigt, allerdings auch warme Temperaturen und der Lawinenlagebericht weist auch schon auf einen Anstieg der Gefahrenstufe bereits am Vormittag hin.

Wie bei Frühjahrsskitouren üblich stehe ich also früh auf und mache mich gegen 05:15Uhr auf den Weg nach Hinterriss. Es ist ungewöhnlich hell und erst nach einer Weile stelle ich fest, dass das nicht schon die aufgehende Sonne ist sondern noch der große Vollmond. Wie ich später rausfinde, habe ich Glück und sehe in diesem Moment einen seltenen "Supermond"!

Um ca. 6 Uhr starte ich dann mit dem Radl und den Skiern am Rucksack los über die noch geschlossene Mautstrasse bis zum Beginn des Laliderertals. Hier gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder man fährt noch etwas weiter und biegt am Beginn des großen Forstweges ab, oder man geht etwas direkter über einen kurzen Steig zu Fuß und gelangt so auch nach kurzer Zeit auf den Hauptweg ins Tal. Da Letztere etwa halb so lang ist empfehle ich diese! Es sei denn, man kann bereits ein großes Stück des Forstweges mit dem Fahrrad zurücklegen, dann lohnt sich die erste Möglichkeit.

Bei mir beginnt recht bald eine überwiegend geschlossene Schneedecke und so steige ich nach früh auf die Skier um. Der ca. 5km lange Hatscher durchs Laliderertal ist angenehm und verläuft bis auf ein kurzes abfallendes Stück vor dem Gumpenalm Niederleger ohne nennenswerte Unterbrechungen. Stellenweise gibt es apere Flecken, die ich aber schmerzlos überwinde ohne abzuschnallen -da muss man halt kurz die Skier etwas mehr anheben als sonst...

Der Blick auf den sonnenbeschienenen rechten Teil der Laliderer Nordwand und die Herzogkante im Profil ist einfach herrlich!

Ab dem Niederleger wird das Tal weitläufiger und ich gehe über sanfte freie Almflächen weiter, zuletzt immer orographisch rechts des Bachbetts bis auf ca. 1400m. Ab hier ändert sich die Gangart von "Dahinschlendern"auf "Spitzkehrenmodus"und es geht zwischen Latschen durch eine steile Rinne rauf auf die Freiflächen des Gumpenalm Hochlegers.

Ab hier eröffnet sich der große zentrale Südwesthang vor einem. Diese 600 Hm hohe Flanke bestes Skigelände ist einer der Gründe warum sich diese Skitour großer Beliebtheit erfreut.

Da die aufgegangene Sonne zu diesem Zeitpunkt erst den linken Teil des Hangs berührt, entscheide ich natürlich, mich dorthin zu begeben um endlich die Sonnebrille auspacken zu können.

Außerdem hat man so immer die Bedingungen im Blick und auf Frühjahrsskitour möchte man die guten Firnverhältnisse auf keinen Fall verpassen!

Ich bin aber früh genug dran, zu früh um genau zu sein... Der Hang ist selbst im sonnenbeschienenen Teil noch hart gefroren und mir wird klar, dass das mit dem "Butterfirn" noch eine ganzen Weile dauert. Also entscheide ich kurzerhand rüber zum Gumpenjöchl zu queren und den ostseitigen Hang von dort aus ein Stück in Richtung Engalmen abzufahren.

Eine gute Entscheidung - denn hier finde ich bereits beste Firnverhältnisse vor.

Nach diesem kurzen aber äußerst lohnenden Intermezzo steige ich wieder auf ins Jöchl. Mir wird schnell klar, dass bei einer Begehung der Skitour aufs Gamsjoch über den üblichen Weg wirklich alles passen muss. Die Hänge des Aufstiegsweges sind bereits früh morgens voll und zentral der Sonne ausgeliefert. Wenn im oberen Teil Richtung Gipfel gute Verhältnisse herrschen, dann ist es hier meist schon zu aufgeweicht und infolgedessen unschön oder gar gefährlich!

Der Weiterweg zum Gipfel führt mich über die mittlerweile ganz von der Sonne erfasste steile Flanke. Es ist aber immer noch hart und die Harscheisen bleiben zweckdienlich für einen relativ entspannten Aufstieg.

Weiter oben flacht das Gelände nochmal etwas ab und der Hang spitzt sich zum Gipfel hin zu. Das Kreuz ist erst ganz zum Schluss sichtbar und wird über einen zu beiden Seiten hin steil abfallenden kurzen südostseitigen (!) Übergang erreicht.

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit dieser Skitour ist die immer wieder unglaubliche Aussicht, die man durch die zentrale Lage des Gipfels und seiner Höhe von 2452m bekommt. Im unmittelbaren Blickfeld befinden sich die eindrucksvollen Nordwände des zentralen Karwendels und bei guter Sicht kann man in der Ferne sogar Großvenediger und Großglockner ausmachen.

Da ich immer noch recht früh dran bin, genieße ich eine ausgiebige Rast an diesem fantastischen Skigipfel! Mit dem Fernglas kann ich das Gewusel am schräg gegenüberliegenden Hochglück beobachten, eine weitere beliebte Frühjahrsskitour im Karwendel.

Dann ist der Moment da und ich starte meine Abfahrt in den wunderbaren Hang.

Das Warten hat sich ausgezahlt und es herrschen jetzt allerbeste Firnbedingungen - schöner kann es nicht sein!

Ab und an halte ich kurz inne, genieße den Ausblick, die wärmende Sonne und betrachte meine Abfahrtsspuren. Was für ein Glück hier sein zu dürfen!

Die steile nordwestseitige Rinne durch den Latschenhang ist kein Hochgenuss mehr, lässt sich an diesem Tag aber problemlos überwinden. Danach geht es in ausladenden Carvingschwüngen über die noch tragfähige Schneedecke talauswärts.

Nach einer Pause am Fluss zum Befüllen meiner Trinkflasche schultere ich meine Skier für den kurzen Gegenanstieg. Für die weiteren aperen Unterbrechnungen bin ich jetzt auch nicht mehr zu faul um abzuschnallen. Das gehört nun mal zur Frühjahrsskitour im Karwendel dazu und Stress hab ich sowieso keinen...

Vor der Heimfahrt runde ich dann meinen Skitourentag mit einer Erfrischung am Rissbach ab. Was will man mehr...

Summa summarum werden bei der Gamsjoch Skitour auf üblichem Weg bis zum Gipfel etwas mehr als 1500Hm zurückgelegt. Der "Hatscher" durchs Laliderertal ist lang, ermöglicht einem aber spät im Frühjahr und an sehr warmen Frühjahrstagen einen vergleichsweise sichereren Anstieg als über den Großen Ahornboden. Der technische Anspruch ist in etwa gleich.


Hier noch der Link zu meiner Tour auf alpenvereinaktiv.com


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